Mit Thom Bond

Woche 22
Das Thema der Woche

     "Mehr über Wertschätzung"

Das größte aller Geschenke ist die Fähigkeit, den wahren Wert der Dinge zu erkennen."
--Francois de la Rochefoucauld

 

Wertschätzung im Gegensatz zu Lob

Als Kind hörte ich Äußerungen wie "Guter Junge" oder "Gute Arbeit". Dieser Ausdruck von Anerkennung war zwar angenehm zu hören, und doch blieb für mich die Frage offen: Was war daran "gut"? Es machte mich auch ein bisschen nervös. Bedeutete das, ich war vielleicht nicht "gut", wenn ich etwas anderes tat?

Ich erhielt "Instruktionen" darüber, was das Mensch-Sein ausmachte. Ich bekam "Lob" von den "verantwortlichen Personen". Durch dieses "Lob" lernte ich, dass ich durch gewisse Verhaltensweisen das Etikett "gut" erwarb. Es war auch wie eine Mahnung, dass ich dieses Etikett auch wieder verlieren könnte, wenn die "Verantwortlichen" mein Verhalten als "nicht gut" einstuften.

Diese Art, mit anderen in Beziehung zu treten, hat sich für mich gewandelt, seit ich mich auf die Reise zu einem Leben mit mehr Mitgefühl und Verbindung aufgemacht habe. Ich begann zu erkennen, dass viel von dem "Lob", das ich bekam, oft den Zweck hatte, mich zu einem bestimmten Verhalten zu bringen. Es gab jedoch andere Äußerungen, die den Sinn hatten, mir mitzuteilen, dass jemand das, was ich tat, wertschätzte und dankbar dafür war. Die zweite Kategorie fühlte sich anders an. Diese Äußerungen berührten mich dergestalt, dass ich Klarheit und Verbindung spürte. Diese Qualität ist es, die ich in mein Leben integrieren möchte. Ich möchte kein "Lob" - ich möchte wertgeschätzt werden.
 

Wertschätzend leben

Wir können nun die Fertigkeiten, die wir bisher im Kurs gelernt haben, anwenden, um Wertschätzung zu kultivieren und zu leben, indem wir üben, bewusster zu sein. Das verhilft uns zu mehr Zufriedenheit und mehr Tiefe im Leben. Und - wie wir letzte Woche gesehen haben - können wir uns über die Sprache mit anderen darüber austauschen.
Ich kann innerlich für mich diese Fertigkeit anwenden, nämlich Gefühle fühlen und sie mit meinen erfüllten Bedürfnissen in Zusammenhang bringen; auf diese Art und Weise wird mir bewusst, wie viele meiner Bedürfnisse in jedem Augenblick des Tages bereits erfüllt sind, und ich kann die Fülle in ihrem ganzen Ausmaß wahrnehmen. Zum Beispiel, jetzt, in diesem Moment, während ich diese Worte schreibe, denkt sich mein Gehirn Gedanken aus, übersetzt sie in Worte, teilt sie in Sätze ein, hilft meinem Körper dabei, sie in den Computer zu tippen und eine Botschaft zu formulieren, die du jetzt gerade liest… Selbstausdruck, mmmmmmm. Und all das, während ich in meinem Büro sitze, in dem es sicherlich 5 Grad wärmer ist, als draußen, während ich angenehm gekleidet und gut ausgeschlafen bin, während mein Herz Leben durch meinen Körper pumpt, meine Lungen mich mit frischer Luft versorgen, während die Bäume zur frischen Luft beitragen, während dieser große, blaue Ball aus Wasser, Erde und Leben sich im Weltall dreht, die Sonne uns Licht und Wärme spendet… 
Geborgenheit, Sicherheit, Fürsorge, Wohlbefinden, innerer Friede, Verbundenheit… Mmmmmmm. Das ist es, was ich fühle. Das ist es, was ich wahrnehme. Ich kann erkennen, dass gerade tausend Dinge geschehen, die meine Bedürfnisse erfüllen. Ich könnte hier fortfahren… Und das werde ich auch tun (obwohl ich für den Moment damit aufhöre, um zum Schreiben zurückzukehren, hahaha) weil es das Leben für mich und für die anderen um mich herum so wundervoll macht.


Wertschätzung entgegen nehmen

Meine Partnerin und ich haben es uns zur Gewohnheit gemacht, jeden Tag ein wenig Zeit damit zu verbringen, uns gegenseitig zu sagen, was wir aneinander schätzen. Am Anfang war das für mich etwas unangenehm. Als ich darüber nachdachte, fiel mir ein, dass der Grund dafür war, dass Wertschätzung in meiner Kindheit normalerweise mit "Zustimmung" und "Macht über" zu tun hatte, und bei mir sogar ein Gefühl von Beklemmung erzeugte.

Mit der Zeit habe ich gelernt, Wertschätzung mit einem wohligen Gefühl zu empfangen (wie eine angenehme Dusche), im Gegensatz zu dem früheren Gefühl, das sich so anfühlte, als ob ich dringend Wertschätzung brauchte, um die Gewissheit haben zu können, dass alles mit mir stimmte. Wertschätzung ist für mich zu einem Bonus geworden, und ist nicht mehr etwas, wovon mein Selbstwertgefühl abhängt. Diese veränderte Sichtweise gibt mir ein völlig anderes Erleben, sie lässt mir viel mehr Wahlfreiheit und ist befriedigender.

Ich habe auch bemerkt, dass unser Erleben von Wertschätzung uns besonders dann tiefer berührt und sich erfüllender anfühlt, wenn wir dabei an die Bedürfnisse (Lebensenergie) denken, zu deren Erfüllung wir gegenseitig durch unsere Handlungen beigetragen haben (oder beitragen), als wenn wir nur mitteilen, was wir getan haben (oder tun).


Aus der Praxis

"Ein berührendes Erlebnis"

Vor mehreren Jahren, als ich im Nord-Westen von Manhattan wohnte, besuchte ich mein Lieblingsbuchgeschäft, "Barnes and Noble" am Broadway.

Ich stellte mich zur Rolltreppe hin an, wie es in der Stadt üblich ist, und bemerkte einen Vater mit seinem 3-jährigen Sohn, wie sie sich der eingeschalteten Rolltreppe näherten. Der Vater war voll bepackt mit Waren, die er eingekauft hatte und dem Kinderwagen; der Kleine folgte ihm auf den Fersen. Als der Papa auf die Rolltreppe stieg, seine Ausbeute in den Händen jonglierend, stand sein kleiner Sohn vor der Rolltreppe und erstarrte. Er kämpfte damit, den richtigen Moment zu erwischen, in dem er auf eine Treppe hüpfen konnte, um ins tiefer gelegene Stockwerk zu gelangen. Er rief mit ängstlicher Stimme: "Papa?"

Als der Vater bemerkte, was gerade vor sich ging, hatte er bereits die halbe Strecke mit den rollenden Metalltreppen zurückgelegt und konnte nur hilflos zusehen, wie die Entfernung zwischen ihnen immer größer wurde.

Als ich das sah, ging ich zu dem kleinen Mann vor, der kurz davor war, in Panik zu geraten und hielt ihm meine Hand entgegen. "Nimm meine Hand." Er ergriff sie. Ich sagte: "Bist du bereit? Und … jetzt!" Wir traten gemeinsam auf die Treppe. Als wir beide unten ankamen und wieder festen Boden unter unseren Füßen hatten, sah er zu mir herauf, blickte mir in die Augen, stieß einen deutlichen Seufzer der Erleichterung aus und sagte vielleicht das herzlichste "Danke", das ich je gehört hatte.

Es war so ehrlich und so voll tiefer Wertschätzung, dass ich beinahe aus Freude über diesen wunderbaren Augenblick des intensiven Austausches weinen musste. Ich fühle auch jetzt wieder eine Wärme in mir, wenn ich nur daran denke. Ich konnte ganz klar nachvollziehen und spüren, was das für meinen kleinen Freund bedeutete. Sein Vater war ebenfalls ganz schön erleichtert. Ich schulde es meiner Fertigkeit und Übung von Mitgefühl, dass dieser scheinbar so "kleine" Augenblick für mich so ein wunderbarer Moment war. Es war meine Fähigkeit mich ganz mit seinen Gefühlen, und mit seinem erfüllten Bedürfnis zu verbinden. Ein Augenblick, den ICH für immer wertschätzen werde.

Mehr darüber im Laufe des Kurses…


Übungen der Woche

Übung 1 - Horche in dich hinein - So wie letzte Woche, schreibe eine Liste von Dingen auf, die jetzt gerade vor sich gehen, und deine Bedürfnisse, die damit gerade erfüllt werden. Zum Beispiel, atmen/Luft, diese Zeilen lesen/Lernen und Wachsen, in einem Gebäude sitzen/Sicherheit, etc. … Schreibe zwischen zehn und zwanzig solcher Dinge auf. Wie fühlst du dich?

Übung 2 - Schätze dich selbst - Schreibe drei Möglichkeiten auf, wie du selbst zu deinem Leben etwas beiträgst; drei Dinge, die du gern tust oder getan hast. Dann schreibe die Bedürfnisse auf, die du dir selbst erfüllst. Dann schau in den Spiegel und sage "Danke". Hinweis: Es ist schwierig, diese Übung zu machen ohne zu lächeln … na ja … ich schlage vor, dann lächeln wir eben.


Übung 3 - Wertschätzung zu einem späteren Zeitpunkt ausdrücken - Erinnere dich an etwas, das jemand  gesagt oder getan hat, und das zur Erfüllung deiner Bedürfnisse beigetragen hat. Frage diejenige Person, ob sie hören möchte, was du an ihr wertschätzt. Dann sage, was die genaue Situation war, an die du denkst, wie es sich angefühlt hat, und welches Bedürfnis (welche Bedürfnisse) sich für dich erfüllt haben. Zum Beispiel: "Ich wollte dir nur sagen, wie dankbar ich bin, dass du mir beim Geschirrspülen geholfen hast. Es macht einen großen Unterschied für mich, wenn wir ein Team sind. Es macht viel mehr Spaß, ganz zu schweigen davon, dass es viel schneller geht, wenn wir auch dabei plaudern. Danke." Du kannst auch eine E-Mail oder eine Karte schicken.
 

RESSOURCEN:

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NÜTZLICHE LINKS:

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